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Samstag, 10. Januar 2015

Von Witz und Wunder - ein offener Brief an die Musiker dieser Welt


                                                                                                     



Da wir alle Wunder sind und musikalisch. Weil der Ton ein Ausdruck der Weltsprache ist. Weil Töne Harmonien erzeugen und Dissonanzen wichtig sind. Weil Rhythmus Energie erzeugt. Weil sich Gefühle hervorrufen lassen und von unfassbarer Wichtigkeit sind.
Weil ein Gefühl gleichbedeutend mit Freiheit in ihrer Reinform ist.
Weil der Witz alt ist und die Männer an der Bartwickelmaschine schon etwas länger nach Ölung rufen.
„Öl her! Öl her!“ riefen die Männer an der Bartwickelmaschine.
Und weil es viel mehr Power evoziert, wenn diese Forderung, im weitesten Sinne, eine Forderung nach Entschädigung, gesungen wird.
Weil kein Kind auf dieser Welt sich im Dunkeln fürchten müssen soll.
Und wir nicht müde werden wollen, bevor es done ist, halte ich es für enorm wichtig, dass wir uns gegenseitig ermutigen. Damit geben wir uns unsere Kraft zurück. Denn Qualität ist geil. „Und viele Quantitäten ergeben eine neue Qualität.“ Marx
Weil du dich durchgesetzt hast und Stimme erheben kannst, die gehört wird. Weil Verständnis in der Verständigung eine sehr wichtige Rolle spielt. Weil Musik das ist, was sie ist und jeder Erfolg ein großer Sieg in Richtung Zukunft im Jetzt.
Weil ich, Steinbock Hexenkraut, bin eine Märchenbraut. Und Märchenbräute nur bedingt bereit sind um Anerkennung, Respekt und Erfolg zu kämpfen. Und ich trotzdem siegen will, im allerfeinsten Sinne. Denn wir müssen Siegen wollen, habe ich mal gelesen.
Habe ich einen Wunsch an dich.
Du hast/ ihr habt und euch gebührt mein vollster, inbrünstiger Respekt. Wenn es dich, wenn es euch nicht geben würde und die, die nicht mehr unter uns weilen, nicht gegeben hätte, dann hätte ich es vielleicht nicht geschafft den Gedanken auszudenken, der mein Leben trägt und ist, weil es ist, wie es ist.
Für mich ist das, was du machst heilig. Danke.
Und ich will sie alle kennen lernen, ihnen begegnen, den Propheten, den
Botschaftern des Paradieses.
Mein Herz ist mit euch. Es hat mir geholfen.
Jetzt will ich HeLena Lesen – Holunder – Knoblauch – Flieder – Klee heißen und das geht im derzeitigen Rechtssystem nur, wenn es laut und deutlich und mehrfach ausgesprochen wird, so dass sich alle daran gewöhnen können.
Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen und, hinsichtlich des Konkurrenzverhaltens unter uns, unorthodoxes Vorgehen.
Meine Mutter hat einmal eine Geschichte sich ausgedacht, in der ein Mädchen, das sich immer gerne verkleidet hat und das Frau Nuß sich nennen wollte, morgens die Haustüre öffnet und dann sieht, dass es schon wieder regnet und zwar: Murmeltiere, Stacheltiere, Katzen, Pinguine und andere Tiere an sechs Tagen in der Woche. Am siebten Tag, dem Sonntag kommt er zu Besuch und er nennt sich Herr Nuß.

Wollt ihr mit mir Töne regnen lassen?
Die Italiener haben es vorgemacht, als sich im Jahr 2009 die Erde im Gebiet der Abruzzen verkracht hat. Um den Opfern des Erdbebens zu helfen, haben sich alle italienischen Musiker zusammengefunden und gemeinsam etwas unfassbar Schönes geschaffen. Einen Wegweiser, ein Zeugnis der Menschlichkeit und ihres Ausdrucks in diesen Zeiten.
Ich habe das Lied, es heißt Domani, im Internet auf Youtube entdeckt und finde es ist an der Zeit, dass wir uns ernst nehmen und miteinander dafür Sorge tragen, daß von nun an, sozusagen aus der Gegenwart heraus, die Vergangenheit für immer die Vergangenheit bleibt und wir mit unserem Bewusstsein dafür Sorge tragen, dass die Zukunft mit unseren innersten Sehnsüchten und Träumen wird, was es ist und was sein kann. Daß die Möglichkeiten sein dürfen und Hilfe das ist, was Hilfe bedeutet. Nämlich der Wille zum Guten.

Also, liebe Musiker !
Es wäre doch schön, wenn wir einen auf himmlische Posaunen und Heilsverkünder machen würden und endlich damit anfangen alles richtig zu verstehen. Denn ein Wunder ist zwar ein Wunder, weil ein Wunder ein Wunder ist. Doch ist es wichtig, dass es sich allseits verständlich macht.
Kohle will ich nicht, die geht folglich dann an dich.
Ellenbögen ausfahren, will ich auch nicht, dass würde nicht klappen. Es wäre Verrat an mir selbst, dem Leben und dem ganzen großen Alles.
Deshalb würde ich gerne meine Flügelchen ausbreiten, um mit dir 3 Minuten über die Bühne zu fliegen, in Anlehnung an die www.start-social.de Werbung etwa aus dem Jahr 2002, denn ich will den Weltenrat, aber darüber würde ich mich lieber an anderer Stelle äußern. Ich beziehe mich in diesem Wollen auf den französischen Philosophen Stephan Hessel.
Es würde mir helfen. Alles, was ich für mich tue, tue ich für dich und umgekehrt.
Und dann könnte ich weitermachen und umsonst und spontan verklebte Himbeerbonbons an die Wangen zu artiger Kinder kleben und im Märchen und um Berlin herum und in Berlin drunter und drüber Geschichten von der Liebe erzählen.
Es wäre mir ein großes Vergnügen, eine Ehre, ein Fest, dich kennen lernen zu dürfen!
Und sollte ich ohnmächtig werden, so gibt es ja die Sanitäter im Backstage.
Ach ja, wenn ich mal schlimme Halsweh habe, dann sage ich nicht ab, dann tanze ich.
Warum?
…Weil es geklappt hat, weil es so ist wie es ist, weil es verteidigt werden will, weil wir alle alle gesund und glücklich sein wollen, weil es pc ist und weil uns etwas auffällt. 

Mit allerfreundlichsten Grüßen, Küssen und Umarmungen

L...
P. S. : Wenn es euch gefällt, informiert einfach alle Kollegen. Ich habe versucht an alle zu denken, die ich kenne, aber wir sind ja so viele, daß ich noch nicht alle kennen kann. Stille Post los! Im Hurra !





Es gibt mich


An dem Tag, an dem ich beschloss, es habe sich um Kaffeesatzlesen gehandelt und mir vier Tässchen auf dem Flohmarkt kaufte, um der Praxis weiter nachzugehen, an jenem Tag beschloss ich, dass du mein Mann wirst. Denn „What the world needs now is love, sweet love.“. Ich schreibe dir, nachdem ich von deinem Traum gehört habe. Wart`s ab. Da kommt noch was. Ich bin 33 Jahre alt und habe zwei Töchter und ein schwarzes T-shirt auf dem „Single Mama“ geschrieben steht. Mehr nicht.
Mehr habe ich nicht, denn, oh shit, ich habe alles verloren wegen einem Superhit.
Louis hat mich Tag und Nacht vollgerappt. Seine Stimme ist der deinen ähnlich und, oh ja, du hast eine süße Stimme.
Seine Worte klangen wie dein Gesang in meinen Ohren. Ich brauchte einen Freund. Ich bekam einen. Ich verlor mein großes Kind an meine böse Mutter und meinen Hausrat und meine Wohnung. Jetzt trage ich mein schwarzes T-shirt, um nicht zu verwirren und das Lakritzekind vor meinem Bauch.
Louis sprach. Ich lief. Er versprach mir, dass wir uns sehen würden, wenn alles vorbei und der Vatikan gestürzt wäre. Leute, die die Rüstungsindustrie finanzieren und dabei das Monopol auf „heilig“ haben, sind mir unsympathisch. Deshalb machte ich mit.
Louis ist ein cooler, junger Mann, klug und gut aussehend.
Du auch. Das wage ich zu behaupten, obwohl du, wie eine Braut mit Schleier, mit deiner Pandamaske herumläufst.
Louis hat mich abgeholt, wo ich war und gesagt: „Ich kill es dir, das arme Deer.“
Das arme Deer befällt die Frauen meiner Familie, es kriecht im November aus seinem Teich und leckt mit seiner feuchten, kalten Zunge solange an einem herum, bis man ganz traurig ist.
Bevor mir das passiert, hol ich dich ab, wo du bist. Oma bezahlt die Fahrkarten. Louis ist lange schon Vergangenheit. Und die war wie das Trinken von türkischem Mokka.

Dienstag, 8. Mai 2012

Geschichte über gar Nichts



Über alles halte ich den Regenschirm. Du wirst nicht nass, wenn es regnet.
Eine Wolke aus bunten Luftballons steigt in den Himmel.
Über allem liegt der Mantel des Universums.
Zwischen gestern und heute liegen drei Ewigkeiten.
Ein Wellensittich fliegt in die Wolke hinein.
Es zerplatzen die Ballons.
Die Hellseherin schaut zu tief in die Kugel. Sie ist besoffen vom Glück, dass sie sieht.
Dieses ist das meine nicht. Sagt sie.
Macht nichts, wenn es dir hilft. In der Kugel steht die Welt Kopf. Das tut ihr gut, denn ihre Füße schmerzen.
Was ich für mich tue, mache ich für dich und umgekehrt. Sagt sie.

Ballonhüllen bedecken den Boden, auf dem wir stehen. Eine Möwe hat den Wellensittich gefressen.
Die Wahrsagerin lacht.
Du bist gar. Sagt sie.
Nichts ist gestorben.
Über allem liegt das Sternenkleid des Weltalls.
Die Geschichte ist einfach und klar.
Niemand gewinnt, wenn nicht alle es schaffen.
So weit so gut, sage ich.
Alles Gute wohnt in mir. Sage ich
Und für die Gäste gibt es nur das Beste.

Freitag, 27. April 2012

Das Unterhemd

Das merkwürdige Tier liest viel.
Es staunt Bauklötze.
Weil ich das Unterhemd so nicht mehr anziehe.
Das Leben mich in Form gebracht hat.

Dienstag, 6. März 2012

ich träume einfach immer weiter, bis es klappt


Ich webe ein Leben aus Traum. Ich schreibe Geschichten aus Worten.
Der Traum und die Worte begleiten mich, wohin ich auch gehe.
Der Traum ist mein Schatten. Die Worte sind meine Füße. Sie tragen mich durch die Welt. Während mein Schatten hält, was er verspricht und bei mir bleibt, ganz egal, was ich tue.
Wenn ich tanze, fliegen meine Hände durch die Luft. Meine Arme werden Flügel. Die Finger an den Händen sind die Schwungfedern.
Ich tanze zur Musik und sie bleibt im Kopf auch danach.
Die Welt ist Musik. Jeder Mensch, jedes Tier, jeder Blick ist ein Ton.
Die Töne fügen sich zu einem Stück, das den Traum beflügelt.
Der Traum hängt hinter mir an der Zimmerwand, wenn die Sonnenstrahlen durchs Fenster fallen. Hinter mir steht der Traum. Er ist unfassbar leicht und immer da. Er stärkt mir den Rücken für alles, was ist und sein kann.
Im flackernden Kerzenschein sitzen wir am Küchentisch. Die Nachtigallen singen. Sonst ist es still. Es gibt nur diesen einen Tag und diese eine Nacht. Und Morgen gehen wir los. Mit den Füßen erfinden wir Sachen, die helfen können und Räume, die wichtig sind.
Es muss getan werden. Wir müssen die Stimmen erheben.
Es gibt so viele Dissonanzen auf der Welt, soviel Leid und Elend und Krieg. Gemacht von dummen, bösen Menschen.
Unsere Sätze sind der Wind, der zum Sturm wird und ihnen die Masten knickt.
Der Frieden des Gedichtes, welches wir sind, verbreitet sich über die Welt. Das Glück der Musik des Lebens verdichtet sich zu einem Netz. Wir fangen sie alle, die großen Fische, in diesem Netz. Miethaie zu Fischstäbchen, steht an einer Hauswand geschrieben.
Guten Morgen, ihr kleinen Haselnussschnäuzchen an einer anderen. 
 Es ist nicht immer ein Spaziergang. Manchmal ist es ein Marathon oder gar ein Triathlon.
Sportlich sind wir allemal.
Und wer behauptet, die Hoffnung stürbe zum Schluss, der lügt oder ist einfach eine faule Sau.
Die Hoffnung wächst mit jedem Schritt. Mit jedem Satz komme ich meinem Ziel näher.
Ich beschreibe das Schöne und den Schrecken. Ich lerne jeden Tag etwas Neues dazu.
Und manchmal gelingt es mir, die Konsequenzen zu formulieren.
Ich will. Willst du auch?
Dann sind wir schon zwei.
Und das ist mehr als einer. Sagt Anouk, meine Tochter und hat Recht.
Ich glaube nicht, an das Gute im Menschen. Ich glaube an mich und das tut gut.

Donnerstag, 23. Februar 2012

das müde mädchen träumt


Es träumt vom Kuscheln. Einmal eine ganze Woche lang im Bett verbringen.
Zwischendurch allerhöchstens einen Tanz tanzen am Tag. Die Wochenzeitung lesen und Bücher. Notizen machen und Geschichten schreiben. Reden und Lachen. Vögeln ohne abzustürzen. Vertrauen gewinnen.
Geht das? Oder wird es langweilig am zweiten Tag?
Lino ist da. In der ersten Nacht lagen Lino und Lena nur nackt nebeneinander und haben nichts gemacht. Nur die Wärme genossen und eine leise Vertrautheit gespürt. Am ersten Tag, der auf die erste Nacht folgte, erfanden sie Himmel und Erde. Er wollte der Himmel sein und sie sollte die Erde verkörpern. Über ihnen schwebten wie das Damoklesschwert die göttlichen Freuden und das Chaos. Das ganz normale Chaos der Liebe. Irrnis und Wirrnis und Finsternis. Die wüste Urflut ergoss sich aus ihrem Geschlecht.
Es wurde Nacht und sie wussten die nicht zu benennen. Am zweiten Tag sagte er: Ich liebe dich. Und es wurde Licht. Da nannte sie das Licht Tag und die Dunkelheit Nacht.
Alles war gut so, wie es war.
Ihre Hände begannen über seinen Körper zu wandern und fanden das Himmelsgewölbe am dritten Tag.
Und fanden seinen harten Schwanz am vierten Tag. Da war es, das Land, das in ihrem Meer liegen sollte. Linoland und Lenameer. Seine Hände streicheln ihren Kopf, auf dem das Haar wie eine unaufhaltsame Pflanze gewachsen ist.
Am fünften Tag findet er das Bild auf ihrem Fuß und fragt:
Was ist das?
Das sind die Sonne, der Mond und die Sterne. Die gibt es jetzt auch, damit wir uns in der Dunkelheit nicht fürchten müssen. Damit der Tag uns wärmt.
Plötzlich erwachen die Tiere im Meer. Sie wollen leben. Sie wollen mehr. Vögel beginnen durch den Himmel zu fliegen, der er ist, am sechsten Tag. Sie schlafen miteinander und sind ganz wach dabei.
Da entsteht ein Tierchen des Landes in ihrem Bauch am siebten Tag. Und die Schöpfung ist vollbracht. Von Himmel und Erde, Land und Meer, Pflanzen und Fischen und Vögeln, Gestirnen des Tages und der Nacht. Es gibt hell und dunkel und den Menschen, das begabte Tier.

Freitag, 17. Februar 2012

Zwergenklein sein

für LinaKarolina


In meine Nase zieht der Duft von Kindheit. Zimtschneckenduft und für die Tomatensoße angebratene Zwiebeln mit Knoblauch. Frühlingsluft und schneidend kalter Winterhimmel, der sich auf die Erde gesenkt hat und in die Backen beißt. Ich muss Niesen und bis zur Lippe zieht sich der gelbe Rotze Faden. Anouk muss ins Bett gehen und lacht. Anouk wacht auf und lacht.
Ich bin erwachsen geworden und morgens riecht es nach Kaffee in der Wohnung.
Wenn die Rasenflächen in den Parks in unserem Viertel wieder grün sind, gehen wir vor die Tür und beobachten Insekten. Ich weiß nicht, wie oft uns das Beobachten von winzig kleinen Tieren schon aus einem Streit oder einer Traurigkeit geholfen hat.

Gib mir den Ball, sagt Anouk zu Tamira. Er gehört mir.
Nein, sagt Tamira. Jetzt will ich ihn haben.
Nein, sagt Anouk. Gib ihn her. Es ist meiner.
Und Tamira läuft mit dem Ball los und versteckt sich hinter einem Baum in einem Gebüsch. Der schönste Streit ist in vollem Gange.
Anouk schreit, rennt los, fällt hin, erreicht Tamira und zieht ihr, weil die sich mit dem Ball umgedreht hat, an den Haaren. Tamira lässt den Ball fallen und haut Anouk in den Bauch.
Tamira weint. Anouk heult. Wir stehen von unserer Bank auf und trösten die Kinder und schimpfen mit ihnen, dass sie sich nicht streiten sollen. Dass der Ball da ist, damit sie beide mit ihm spielen können. Und das er weg ist, wenn sie sich darüber streiten.
Kuckt mal, sage ich. Hier ist ein ganz kleines, grünes Tier. So eins von der Insektenelfensorte, fast durchsichtig.
Da hören die Kinder auf zu jammern und setzen sich in das Gras um das Tierchen anzusehen.   

An einem Wochenende fahren wir auf ein wildes Gelände. Ein ehemaliger Militärflughafen, auf dem es viel zu sehen gibt und die Wiese hoch gewachsen ist. Wir schlagen unsere Zelte auf und freuen uns an der Stille am Tag und den Lagerfeuern in der Nacht. Ohrenschützer brauchen wir nicht. Es ist besser die Wespe heransummen zu hören, als von ihr gestochen zu werden.
Es ist Mai und wir frieren Nachts in unseren Zelten, kuscheln uns ganz eng aneinander und erzählen uns Geschichten, bis wir zwei Schaffelle ausgeliehen bekommen, die uns, vor der aus dem Boden hochziehenden Kälte, schützen.
Morgens stapfen wir in Gummistiefeln durch die taufeuchte Wiese zum Waschen.
Mittags kochen wir unsere Spaghetti unter freiem Himmel und abends, wenn die Kinder in den Zelten liegen, trotzen wir den Mücken und trinken einen Zahnputzbecher voll mit Wein.
Am Samstag wird ein Geburtstagsfest gefeiert und als es am Sonntagmittag noch nicht zu Ende ist, gehen wir hin und bekucken uns, aus angemessener Entfernung, die feiernden Leute. Wir liegen unter einem großen Kastanienbaum und finden einen Maikäfer. Die Kinder bauen ihm eine Maikäferstadt, dann gehen sie und tanzen mit einem Mann mit langen Haaren, der ziemlich betrunken wirkt, aber freundlich ist. Wir hören die Musik und wippen mit den Füßen. Die Sonne scheint uns auf die Bäuche und wir bekommen ein Stück Wassermelone geschenkt.
Der Sommer schmeckt nach Wassermelone, Wassereis und Weintrauben.
Der Winter riecht nach Schnee.
Im Herbst kochen wir Apfelmus mit Vanillezucker.
Und im Frühling verbannen wir die dicken Jacken in den Keller. Reißen die Balkontür auf und freuen uns am Vogelgezwischer. Der Winterhimmel war mit Möwen besetzt. Und im Herbsthimmel sahen wir die Zugvögel schnatternd und in Formation in den Süden ziehen.
Einmal hat sich ein Regenbogen über den dunklen Gewitterhimmel von ganz rechts nach ganz links an uns vorbeigespannt. Da haben wir gestaunt.
An Sylvester darf man lange aufbleiben und wenn man sich zu Weihnachten ein lebendiges Einhorn wünscht, bekommt man Wellensittiche vom Christkind, das eng mit dem Weihnachtsmann zusammenarbeitet.
Anouk ist so stark, dass sie Bäume ausreißen kann, auch wenn diese nur ein Grashalm sind.
Wie schön muss es sein, wenn man zwergenklein ist und der gemähte Rasen noch ein Wald und die Ameisen prima Reittiere und die Schätze echt sind. Eine Muschel kann ein Boot oder Bett sein. Und das dunkelgrüne weiche Moos ist ein Kissen. Wir springen  von einer Wurzel zur anderen und überqueren das Frühlingspfützenmeer auf einem dünnen Ast.
In unserer Wohnung wächst ein grüner Dschungel und an guten Tagen tauschen wir die winzigen Schätze, die in den Streichholzschachteln wohnen, miteinander. Morgens um acht wirft die aufgehende Wintersonne Lichtengel an die Wände. Der Wintermorgen ist eine große blaue Tasse mit weißen Wölkchen und in der Tasse dampft ein Tee mit Milch und Zucker. Wenn es dunkel wird, füllt Mama heiße Milch mit Honig hinein.
Am allerliebsten isst Anouk Griesbrei zum Frühstück. Und der Weg zum Kindergarten bleibt fünf Tage in der Woche derselbe.
Es ist nicht immer leicht ein starkes Kind mit einem großen Kopf zu sein. Elisabeth die Zicke versucht jeden Tag, alle Mädchen auf ihre Seite zu ziehen. Sie ist eine hochmütige Prinzessin, die nicht weiß, dass nur die Gänsemagd für den Königssohn bestimmt ist. Dass nur der, der auf dem Fußboden geschlafen hat, das Königreich seines Lebens weise regieren wird. Und Anouk soll den Hund spielen immer wieder.
Als im Kindergarten Karneval gefeiert wird, geht Anouk als Hase.
Ihre Freundin Tamira ist eine Wellenprinzessin mit einem mit Muscheln und Perlen besetzten Kleid. Sie erfinden ein Königreich, in dem Tamira regiert und der Hase zuhause ist. Es gibt nichts Besseres als ein Zuhause zu haben.
Wenn Anouk müde ist, fängt sie an mich vors Schienbein zu treten. Ich verbiete ihr die Süßigkeiten für den nächsten Tag. Sie beginnt zu weinen. Ich halte das aus. Es ist mein Job. Ich muss ihr beibringen, dass man nicht böse werden darf, wenn einem was fehlt. Und wenn sie das Schnoopzeug mit ihrem Freund Lino teilt, dann bekommt sie es doppelt von mir zurück.
So lernt sie, dass Teilen besser ist als Hamstern.
Durch eine Miniatursanduhr rinnt der Sand. Die Zeit geht so schnell vorbei.
Ich wünsche Anouk eine schöne, spannende Pubertät, in der man den ersten Kaffee trinkt und stolz darauf ist, dass man schon so erwachsen. Einen Lebensabschnitt, in dem man bis zwölf in den Federn liegt, damit sich die Gehirnwindungen neu vernetzen können. Und dann trotzdem auch mal den Abwasch macht, während man seinen krausen Gedanken nachhängt.
Einen weichen Übergang in das Leben eines bald erwachsenen Menschen. Mama ist manchmal doof, aber eigentlich ist sie ein guter Kerl. Und weil jeder Mensch Fehler macht, muss man ihr nicht mehr vors Schienbein treten.
Da ist soviel, was sie erlaubt. Es ist so schön mit Tamira am späten Nachmittag, der Tag hat erst vor ein paar Stunden begonnen, in einem Cafe zu sitzen. Yogitee aus großen Tassen zu trinken und über die Liebe zu philosophieren.
Es ist toll einen großen, bunten Freundeskreis zu haben. Und am Wochenende auf einer Skaparty zu tanzen. Sollen die vermeintlich Großen doch machen, was sie wollen. Nur weil Ernst- August in den Brunnen springt, springe ich, Anouk Away nicht hinterher. Ich bin ein starkes Mädchen und alles hat seine Zeit.